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24.05.2018 | Dr. Felix Adamczuk, Gerhard Menke
Veranstaltung: Irrsinn Isegrimm?! - Wie geht es weiter mit dem Wolf?
Großes Interesse an Veranstaltung der CDU - über einhundert Bürger nehmen Teil!
Die Experten (v.l.) Jochen Strampe, Helmut Damman-Tamke (MdL) und Dr. Holger Hennies mit Dr. Felix Adamczuk (2. v. l.)
Wölfe in Niedersachsen – Unterstützung, aber auch zunehmende Besorgnis! 

Der CDU-Gemeindeverband Wedemark hatte das große öffentliche Interesse an dem Thema „Wolf“ richtig eingeschätzt und aufgegriffen! Über hundert interessierte Bürgerinnen und Bürger waren kürzlich der Einladung der örtlichen CDU zu einer Informationsveranstaltung mit anschließender Aussprache in das Gasthaus Bludau in Wennebostel gefolgt.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem bewusst zugespitzten gewählten Titel „Irrsinn Isegrimm!? - Wie geht es weiter mit dem Wolf“ nahmen drei angesehene Fachleute aus unterschiedlichen Perspektiven zum Thema Stellung.

Helmut Damman-Tamke (Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Mitglied des Nds. Landtags und stellv. Vorsitzender CDU-Landtagsfraktion), Dr. Holger Hennies (Vorsitzender des Landvolkes Hannover, Vize-Präsident des Landvolkes Niedersachsen) sowie Jochen Strampe (Vertreter der WNoN-Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Deutschland) trugen ihre jeweiligen Sachargumente engagiert und gut nachvollziehbar vor.

Ziel des CDU-Gemeindeverbandes Wedemark war es, die kontroverse Thematik „Wolf“ auch einmal aus Sicht der örtlichen Landwirtschaft (insbesondere der Nutztierhalter), der Jägerschaft und der sicherheitsbewussten Bevölkerung zu erörtern. Ausgangspunkt war die Wahrnehmung, dass deren Belange und Sorgen in der bisherigen öffentlichen Diskussion auf Gemeindeebene nicht hinreichend berücksichtigt worden waren. Die vom gut vorbereiteten CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Dr. Felix Adamczuk moderierte Veranstaltung offenbarte dennoch ein großes Meinungsspektrum zu den Fragen, Problemen und Konsequenzen, die sich aus der Wiedereinwanderung der Wölfe und deren  schnelle Ausbreitung selbst in Siedlungsgebiete ergeben.

Einig waren sich die drei Experten darin, dass aufgrund der jährlich um ca. 30 % anwachsenden Wolfspopulation auf Dauer eine Bestandsregulierung erforderlich sei. Helmut Dammann-Tamke berichtete, welche unterschiedlichen Ansätze in den politischen Gremien auf Landes- und auf Bundesebene derzeit diskutiert würden. Er stellte heraus, dass es momentan noch schwierig sei, eine bundeseinheitliche Regelung zu erreichen, weil es auch noch einzelne Bundesländer ohne Wölfe gebe und sich dort noch kein Problembewusstsein habe entwickeln können. Als Präsident der Landesjägerschaft forderte er die Unterstellung des Wolfes unter das Jagdrecht. Dem parallelen Einsatz von „Wolfsrangern“ in Jagdrevieren neben den Jägern lehnte er ab.

Dr. Holger Hennies wies aus Sicht des Landvolks darauf hin, dass man in Kreisen der Landwirtschaft aufgrund der „rasanten“ Bestandsentwicklung des Wolfes arge Sorge empfinde. Grundsätzlich sei die Wiederkehr von Wölfen zu begrüßen. Es müsse aber genau geprüft werden, welche Lebensräume sich für die Tiere eignen und wo deren Ausbreitung schützenswerten Interessen der Menschen entgegensteht.

Jochen Strampe von der Interessengemeinschaft der Weidetierhalter berichtete beispielhaft über das sogenannte „Cuxhavener Rudel“, welches durch zahlreiche Schafsrisse aufgefallen sei. Die Wölfe seien sehr anpassungsfähig und verließen durchaus die weitläufigen Waldlandschaften, ihren ursprünglichen Lebensraum. Die Schafsrisse führten nicht nur zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Schäfer,  auch die erforderliche Deichpflege durch die Schafherden und damit der für die Menschen besonders sicherheitsrelevante Küstenschutz werden beeinträchtigt. Beides sei nicht zu akzeptieren.

Den Eingangsreferaten der Experten schloss sich eine lebhafte Diskussion mit den anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörern an. Ein Vertreter der Jägerschaft bemerkte kritisch, dass die Jäger bei einem weiteren starken Anstieg der Wolfspopulation keine „Schädlingsbekämpfer“ sein wollen. Diese Rolle entspreche nicht den ethischen Grundsätzen der Waidgerechtigkeit und würde nicht zur Verbesserung der Akzeptanz der Jägerschaft in der Bevölkerung führen. Er drängte auf baldige politische Entscheidungen im Sinne der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag von SPD und CDU auf Bundesebene.

Ein Vertreter der Landespferdezucht äußerte ebenfalls deren Sorgen, die die stark ansteigenden Wolfsbestände ausgelöst haben. Die bisherige Entwicklung gefährde die Weidetierhaltung als tierschutzgerechte und - im Sinne des Naturschutzes - ausdrücklich gewünschte extensive Flächennutzung. Er wies darauf hin, dass die vielfach geforderten „wolfsicheren“ Zäune weder aus wirtschaftlichen noch aus praktischen Erwägungen im erforderlichen Umfang realisierbar seien.

Eine Mutter berichtete über Wolfssichtungen in der Wedemark und fragte besorgt, inwiefern ihre Kinder sich noch ungefährdet in der Natur aufhalten könnten.

Moderator Dr. Felix Adamczuk zog das Fazit: „Zumindest die große Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser Veranstaltung halten zwar nicht die Wiedereinwanderung von Wölfen als solche, jedoch die derzeit exponentiell zunehmende, ungeregelte Ausbreitung für sehr problematisch.“ Der Gemeindeverbandsvorsitzende der CDU Wedemark appellierte an die Experten, sich weiter für baldige sachgerechte, aber auch tier- und naturschutzgerechte Lösungen einzusetzen. 

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